Tragen und schieben … bloß wie und womit?

Da denkt man fast, jetzt kann es kommen. Wir wissen, was es wird – und wir haben auch schon einen Namen.
Und gefühlt ist die größte verbleibende Aufgabe jetzt nur noch, das Mini irgendwie auf die Welt zu bringen (wir wissen auch wo, wie, und wer uns begleiten darf). Natürlich muss es Ihr dabei gut gehen in den nächsten ca. 100 Tagen (Rücken, Füße, Beine … alles ist beansprucht).
Bugaboo mit LED

Aber dann haben wir uns auf das umstrittene Feld des Kindertransports begeben, und das gleicht ja einem Minenfeld oder fasst einem Glaubenskampf. Im Tuch oder im Sack, geländegängig aber leicht zusammenklappbar, Schnee wie Strand werden zur Herausforderung. Bugaboo Cameleon Danke, liebes Internet, für diese Irrungen und Verwirrungen. Selbst die Suche nach den Symptomen “Brustschmerz Herzklopfen” stellt einen mehr zufrieden.

Wir haben uns also im Laden umgesehen, geschlagene 4 Stunden alles mal angehabt, umgehängt, zusammengeklappt und den Schiebebügel auf die andere Seite gelegt. Aber wie wir Mini nun am besten transportieren ist mit jeder Minute mehr zur Diskussionsgrundlage geworden.

Unser FavoritMein Favorit ist von Minute Eins eigentlich der Bugaboo Cameleon, da er zunächst gut aussieht und zudem extrem leicht ist. Er läuft unter Kombi-Kinderwagen, da er irgendwann auch mal zum Sitzen umgebaut werden kann (hier ein Hebel, da etwas schieben, ein bißchen drücken … tada …). Dass er mal von Miranda in “Sex and the City” benutzt wurde (es war der “Frog”) war uns nicht klar und mir egal. Ich finde es einfach gut, wenn nicht überall (schon gar nicht auf dem Gefährt der nächsten Jahre) Bärchen, Tätzchen oder Blümchen drauf sind. Das heißt glaube ich “zeitloses Design” und wird auch andernorts zelebriert..Beim Nachlesen in einschlägigen Foren (hui, selbst die Wired hat eine Review zu dem Mini-Mobil) bin ich zuerst auf den “niveaulosen” Zwang für Berliner Eltern gestoßen, diesen Wagen zu fahren schieben. Ein eher peinlicher Kommentar, der mich persönlich eher bestärkt hat. Aber dann gibt es ja auch ernstgemeinte Diskurse (vs. Teutonia Mist; vs. Emmaljunga; vs. Hartan usw. …) die aber auch irgendwie nicht zielführend sind.

Klingt der Erfahrungsbericht überzeugend endet er in etwa mit “… aber wir gehen jeden Tag im Wald spazieren …” oder “… als wir eingeschneit waren, da …” bzw. “… passt total prima ins Auto.”. Niemand schreibt etwas, wo ich sage: Ja, das betrifft uns auch. Niemand schreibt “fahre mal mit der U-Bahn, mal im Bus, habe jeden Tag drei große und 2 kleine Treppen, wohne im vierten Stock aber mit Fahrstuhl, und manchmal muss der Wagen auch in <2 Minuten verstaut werden, wenn ich mal mit dem Taxi unterwegs bin.”.

Bleibt also nur, sich dann doch auf das Bauchgefühl zu verlassen, sich kurz mit großen Bildern wieder zu überzeugen, warum man jetzt doch 200 Euro mehr ausgibt – denn ein Gewichtsunterschied von min. 3-4 Kilo klingt auf dem Papier nicht mehr so krass (war es im Laden aber noch!).

Also wird es jetzt der schicke Cameleon, dark-grey / off-white mit Schirm in orange, und 2 Cup-Holder und LED-Licht.

Bleibt da noch zu diskutieren, wie man sein Kind jetzt trägt … im Tuch, im Sack, freihändig auf der Nase balanciert. Hier bin ich auf eben wieder dieselbe fast religiöse Auseinandersetzung gestoßen, die ich sonst nur aus Erzählungen meiner Frau zur richtigen Form des Gebärens (unter Wasser oder auch wieder freihändig balancierend?) kenne.

Ich bin kein Tuch-Träger, nicht um den Hals, nicht auf dem Kopf, und in einer idealen Welt auch nicht um mich geschlungen. Was mir nicht in den Kopf will ist: wieso gibt es zig Hersteller, die für min. 70 Euro aufwärts Tragesysteme verkaufen – und keiner soll es vollbracht haben, ein orthopädisch-pädagogisch-moralisch-praktisch vertretbares Ding zum schnellen Transportieren eines Kleinkindes ersonnen zu haben, was sich ästhetisch von der Methode der Höhlenmenschen oder Indianer unterscheidet (tut mir Leid, sind die ersten Bilder bei “Tragetuch”)?

5 thoughts on “Tragen und schieben … bloß wie und womit?

  1. Erstvater? Diese quasireligiösen Debatten werden dir noch an ungefähr fünfzehn anderen Stellen auffallen, befürchte ich: Krankenhaus/Hausgeburt? – Impfen ja/nein/was? – Krippe/Kind zuhause lassen? – Mama/Papa? – Frühkindl. Bildung – Grenzen setzen/machen lassen? – … Staatsschule/Privatschule?

    Scheint irgendwie damit zu tun zu haben, dass sehr viele Leute aus ganz unterschiedlichen Lebenslagen und Erfahrungszusammenhängen Kinder bekommen – und hier Erfahrungswissen, alltagsästhetische Überzeugungen und diverse wissenschaftliche Studien jeder Richtung aufs vortrefflichste aufeinander stoßen.

    Nochmal zum Tragetuch: ich bin mir sicher, dass ein Tragerucksack sich letztlich orthopädisch etc. so sehr nicht vom Tragetuch unterscheidet. Wenn die Back-to-the-roots-Assoziationen zu schlimm werden, muss es ja kein Tuch sein. Andererseits gibt’s selbst unter den Tüchern inzwischen durchaus Designvarianten, von denen einige wohl auch großstädtisch getragen werden können, glaube ich. (Im übrigen ist so ein Tragetuch oder die Rucksackvariante davon natürlich die Antwort auf die Treppen und U-Bahn-Schächte — bei unserem ersten Kind hat es ungefähr ein Jahr lang gereicht, nur mit Tuch durch die Welt zu kommen, danach dann Buggy).

  2. Ja, Erstvater … kommt mir ein bißchen vor wie in einer Agentur … der Junior Berater, der sein erstes Projekt machen darf.

    Ich glaube, ich muss mal eine Meta-Studie zum Thema machen, und mich dann mit nem Tragetuch anfreunden.

    Bin gespannt, wo der nächste Glaubenskonflikt auf uns niederprasselt.

  3. Tja, beim zweiten Kind wird alles leichter…

    Der Super-tolle-teure Kinderwagen (Hartan) wurde beim ersten Kind nach 4 Monaten zurückgegeben, weil er mehr in der Reparatur als mit Kind bestückt war. Danach gab es dann einen Gebrauchten für kleines Geld, der hat dann auch noch das zweite Kind geschaukelt – aber da hat man sowieso wenig Zeit zum Spazieren gehen…

    Und das Tragetuch, ich konnte mir das auch nicht wirklich vorstellen. Fakt ist aber, dass mir das Tuch in den ersten drei Monaten das Leben gerettet hat, denn da hörte das Gebrülle endlich auf. Und ein Umzug mit Baby ohne Tragetuch – undenkbar!

    Ach so, die Geburt: Für Sachen wie, Massagen, Badewanne usw. hat man im Ernstfall keine Zeit oder Nerven. Also, einfach ganz locker bleiben und alles auf sich zu kommen lassen. Der richtige Spaß fängt ohnehin erst danach an…

  4. Hallo Klas,

    wir haben als Kinderwagen einen I’coo Platon und sind damit sehr zufrieden.
    Ansonsten haben wir noch einen Tragesack von Weego: http://www.weego.de/

    Bei der Auswahl ist es aber sicher am wichtigsten, dass der Wagen für euch ergonomisch ist.

    Am schwersten haben wir uns übrigens mit dem Matratzenkauf getan, da gibt es tausende verschiedene Meinungen und Studien zu.

    Gruß,
    Martin

  5. Hmm so viele Gedanken hab ich mir nicht gemacht…

    Bugaboo ist für mich ausgeschieden weil
    1. zu niedrig für mich
    2. die babyschale wird zu schnell zu eng
    3. Die liegeposition ist im sport sitz nicht möglich
    4. Der preis recht fertigt nicht die qualität
    5. Ich ihn ehrlich gesagt auch nicht schön finde

    Ich habe einen Quinny XL Freestyle der bei mir vor der Eingangstür steht und arm dran ist.
    Da ich mir recht schnell einen Manduca zum tragen zu gelegt habe da mein schatz ihren tollen 600€ Kinderwagen nicht mag und nur darin schreit. So viel zum Thema Kinderwagen.

    An deiner stelle würd ich mir eine Trageberatin zur Hand nehmen … ich wollte auch kein TT hab ein Manduca und Maus und ich sind happy … nur der Kiwa nicht der weint einsam und allein vor der Tür ;)

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